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10.02.17

Diabetologen befürchten Verordnungseinschränkung zum Nachteil der Patienten

Stellungnahme des Bundesverbandes Niedergelassener Diabetologen e.V. zu den Beschlüssen gemäß §35a SGB V der blutzuckersenkenden oralen Medikamente Saxagliptin, Sitagliptin und deren jeweiligen Fixdosiskombinationen mit Metformin durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) veröffentlicht am 16.Januar,18. Januar bzw. 23. Januar 2017 im Bundesanzeiger.


Der Bundesverband Niedergelassener Diabetologen e.V. (BVND) hat die Entscheidung des G-BA zur Nutzenbewertung der sogenannten DDP-4-Hemmer bei der oralen Diabetestherapie vom 15. Dezember 2016 mit Erstaunen zur Kenntnis genommen und befürchtet erneut eine Einschränkung in der Versorgung von Patienten mit Diabetes und der Verordnungsfreiheit der Ärzte.

Die aktuelle G-BA Entscheidung beinhaltet, dass Saxagliptin in Mono- oder fixer Kombinationstherapie keinen Zusatznutzen erhält, entsprechendes gilt für Sitagliptin, wobei der Verwendung von Sitagliptin als Add on zu einer bestehenden Monotherapie mit Metformin befristet ein geringer Zusatznutzen anerkannt wird.

Der BVND schließt sich in vollem Umfang der wissenschaftlichen Stellungnahme der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) vom 19.12.2016 an. Diese Entscheidung des G-BA setzt aus Sicht des BVND die Fehlentwicklungen in der ambulanten Versorgung von Patienten mit Diabetes fort:

  • Innovationen werden den Patienten vorenthalten (Linagliptin).
  • Im deutschen Markt eingeführte Innovationen verschwinden durch Marktrücknahme aus der Versorgung (Fixdosiskombination Empagliflozin plus Metformin).
  • Im aktuellen Fall von Saxagliptin/Sitagliptin besteht erneut die Gefahr, dass diese Produkte basierend auf der G-BA Entscheidung und nach den Preisverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband für mehrere 100.000 Patienten nicht mehr zur Verfügung stehen werden.

Die Substanzklasse der DPP-4-Hemmer steht den Betroffenen seit zehn Jahren zur Verfügung. Diese Produkte haben sich in der Behandlung von circa 1,5 Millionen Patienten bewährt.

Aktuell haben die pharmazeutischen Unternehmer die Preisverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband aufgenommen. Sollte es keine Einigung geben, steht eine Marktrücknahme dieser Produkte im Raum, die enorme Konsequenzen für Patienten, Ärzte und letztlich auch für die Qualität der Versorgung hätte.

Das Verschwinden einer in der Versorgung mit guten Ergebnissen etablierten sicheren Substanzklasse macht unnötige aber aufwendige Neueinstellungen dieser Patienten notwendig, die nicht zu den gewünschten Einsparungsvolumina führen, sondern zu Mehrkosten in der Versorgung dieser Patienten. Die verbleibenden therapeutischen Alternativen wie GLP1, SGLT2 oder Insulin sind um ein Mehrfaches teurer und komplexer in ihrer Anwendung.

Selbst wenn Sitagliptin als Monosubstanz dem deutschen Markt erhalten bleibt, sind Mehrkosten zu erwarten, die durch zusätzliche Arztkontakte und durch Compliance Nachteile bei der Umstellung auf die Monosubstanzen bedingt sind.

Des Weiteren wird die Arzt-Patienten-Beziehung durch den Wechsel der Produkte nachhaltig gestört, da der Anlass der Therapieänderung therapeutisch nicht zu begründen ist.

Der BVND erwartet faire Preisverhandlungen und appelliert an die Verantwortung der Verhandlungspartner bei ihrer Entscheidungsfindung.

Im Ergebnis wünschen wir uns, dass wir den Patienten auch weiterhin diese für uns wertvollen und wichtigen Therapieoptionen zur Verfügung stellen können.

 

Über den BVND

Der Bundesverband der Niedergelassenen Diabetologen e.V. vertritt die sozial- und berufspolitischen Interessen der Diabetologen in niedergelassenen Schwerpunktpraxen. Der BVND vertritt dabei hausärztlich und fachärztlich niedergelassene Diabetologen.

 

 

Verantwortlich: Dr. med. Nikolaus Scheper, Vorsitzender des BVND

Kontakt: BVND-Geschäftsstelle, c/o med info GmbH, Hainenbachstr. 25, 89522 Heidenheim, T: (07321) 94691-90, F: (07321) 94691-40, E-Mail:mail@bvnd.de,

Redaktion: A. Bayer, Geschäftsstelle des BVND