Weiterbildung in der Diabetologie

Interview mit Frau Dr. Dorothea Reichert

Wie steht es um die Weiterbildung Diabetologie?
Zur Zeit gibt es zwei unterschiedliche Wege zum Diabetologen. Der eine führt zum Diabetologen DDG, ist voll umfänglich in der Weiterbildungszeit Innere Medizin oder Allgemeinmedizin oder Kinderheilkunde zu versenken. Dieser bedarf aber einer 24 monatigen Weiterbildung an einer zertifizierten Einrichtung der Deutschen Diabetesgesellschaft, davon mindestens ein Jahr stationär. Der andere Weg ist die Anerkennung über die Zusatzweiterbildung als Diabetologe LÄK, der zur Zeit in den unterschiedlichen Bundesländern unterschiedlichen Curricula folgt.
Ende 2016 gab es in Deutschland ca. 4200 Diabetologen DDG und 3409 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Diabetologie einer Landesärztekammer sowie ca. 170 Fachärzte für Endokrinologie und Diabetologie. Zusätzlich dazu noch Pädiater mit der Zusatzbezeichnung Endokrinologie und Diabetologie. (Statistik der Bundesärztekammer zum 31.12.2016 sowie Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2017 von DDG und DiabetesDE Deutsche Diabeteshilfe). Insgesamt zeigt sich ein sehr heterogenes Bild von Weiterbildungen, geprägt von Übergangsregelungen unterschiedlichster Anforderungsgrade. Das macht dem Patienten die Orientierung nicht gerade einfach. Aus diesem Grund bemüht sich der Vorstand des BVND um eine Harmonisierung der Weiterbildungsgänge sowohl im Bereich der Bundesärztekammer als auch im Ausschuss Diabetologe DDG der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Die Neufassungen der Mustercurricula der Bundesärztekammern aller Zusatzweiterbildungen sollen möglichst auf dem nächsten Bundesärztetag auf den Weg gebracht werden. Es ist wichtig, jungen Medizinern einen eindeutigen Weiterbildungsweg aufzuzeigen, um echtes Interesse an einer solchen Weiterbildung zu fördern. Nur so wird es auch in Zukunft gut ausgebildete Diabetologen geben.

Welche Gespräche gibt es zum Abgleich mit dem „Diabetologe DDG“?
Der Ausschuss Diabetologe DDG, in dem der Vorstand des BVND  vertreten ist, berät zur Zeit eine Neufassung des Curriculums zum Diabetologen DDG, eine Aussage dazu wäre zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht.

Wie steht es um die Förderung der Weiterbildung im ambulanten Bereich?
Solche Förderungen obliegen den jeweiligen KVen. In den letzten Jahren kommt in diesen Bereich einiges in Bewegung neben den bisherigen Förderung der Weiterbildung im Bereich Allgemeinmedizin. Hier lohnt es sich ein Auge auf die Entwicklungen der eigenen KVen in
den nächsten Jahren zu lenken. Der BVND wird versuchen, dies politisch zu begleiten, ist dabei aber auf die Kollegen in den Regionen angewiesen.

Welche Maßnahmen zur Nachwuchsförderung gibt es im Bereich der Diabetologie? Und was kann jede einzelne Praxis tun?
Famulaturen werden bereits derzeit von vielen KVen finanziell gefördert. Hier sollte man sich unbedingt einbringen und Famulaturmöglichkeiten anbieten. Darüber hinaus könnte es sich auch lohnen sich bei der nächsten Universität als akademische Lehrpraxis zu bewerben, um vielleicht sogar zukünftig im Rahmen des praktischen Jahres auszubilden.

Wanted! Nachwuchs für die Diabetologie

Die Volkskrankheit Diabetes mellitus erfordert bei zunehmender Prävalenz der Erkrankung ein forciertes Engagement um diabetologischen Nachwuchs in Kliniken
und in den Praxen niedergelassener Diabetologen.
Leider hat das Querschnittsfach Diabetologie bisher im Medizinstudium nicht den gebührenden Stellenwert als fachübergreifende Erkrankung mit hoher Komorbidität und ist unzureichend im Lernzielkatalog verankert. Angehende junge Ärztinnnen und Ärzte kommen bisher erst spät mit der Komplexität der weitverbreiteten Erkrankung in Berührung.

Es muss erklärtes Ziel der Diabetologen in Klinik und Praxis sein, beim Ringen um den Nachwuchs bereits in Blockpraktika, Famulaturen und dem Praktischen Jahr die jungen Kolleginnen und Kollegen für das Fach Diabetologie, das komplex, herausfordernd und durch zugewandte, „sprechende Medizin“ gekennzeichnet ist, zu begeistern.

DDG und BVND fordern alle niedergelassenen Diabetologen auf, sich für das Blockpraktikum Allgemeinmedizin und als Lehrpraxis für Famulanten aber auch als Akademische Lehrpraxis der jeweiligen regionalen Universität für das Praktische Jahr zur Verfügung zu stellen.

Heute sind 89% der niedergelassenen Diabetologen im hausärztlichen Bereich tätig.
Jede dieser Praxen, egal ob hausärztlicher Internist oder FA für Allgemeinmedizin, kann durch eine Kooperationsvereinbarung mit dem Institut für Allgemeinmedizin der nächstgelegenen Universität als Akademische Lehrpraxis für das Fach Allgemeinmedizin akkreditiert werden und sich als Ausbildungspraxis für Blockpraktikanten und Medizinstudenten im Praktischen Jahr zur Verfügung stellen.
Die Ausbildung von Famulanten erfordert keine besondere Akkreditierung.
Mit dem verpflichtenden ambulanten Quartal im Rahmen des PJ für alle Medizinstudierenden ab 2019 bedarf es eines ausreichenden und umfangreichen Angebotes unserer Fachgruppe.

Inzwischen gibt es neben den regionalen Famulaturbörsen, eine bundeseinheitliche Famulaturbörse der KBV unter famulaturboerse.lass-dich-nieder.de
Diese wird künftig unter der Rubrik „Famulatur- und PJ-Börse“ mit der DDG-Website verlinkt.
Zur Anmeldung muss der einstellende Arzt neben den Praxisdaten die lebenslange Arztnummer (LANR) und Betriebsstättennummer (BSNR) eingeben. Bitte als Diabetologe das Angebot unter „Innere Medizin/Diabetologie/Endokrinologie“ einstellen. Nach Prüfung durch den Betreiber steht das Angebot binnen weniger Tage online.  
Alle KVen unterstützen die Famulatur im ambulanten Bereich mit 150-500€ monatlich für den Studenten, mehr als die Hälfte auch das PJ-Tertial in einer Hausarzt-Praxis. Diese muss dazu akademische Lehrpraxis der jeweiligen regionalen Universität sein, da es sich um eine Landesförderung für Studierende an den jeweiligen Landesuniversitäten handelt.
Auch jetzt schon gibt es die Möglichkeit für Studierende, sich für ein Tertial in einer regionalen akademischen Lehrpraxis in ihrem jeweiligen Studiendekanat bzw. der regionalen KV zu bewerben, wenn auch nicht in allen Bundesländern. Die Förderung dafür variiert zwischen 250-600€ monatlich.
Einen guten Überblick über alle regionalen Fördermöglichkeiten findet man unter
www.lass-dich-nieder.de/angebote/foerdermoeglichkeiten.html
 
Da die angewandte Diabetologie sich inzwischen weitgehend in den ambulanten Bereich verlagert hat und dort praxisnah vermittelt und gelehrt wird, können wir im Rahmen der Famulatur- und PJ-Börse als Diabetologen nicht früh genug starten, um junge Kollegen für unser Fach zu begeistern.

Bitte lassen Sie uns aus bisher 25 Praxen Hunderte werden, beteiligen Sie sich an unserer Kampagne für den Nachwuchs!